Ein langes Leben mit sehr viel Schach

  • 13 June 2022
  • Peter Andrasch

  1.6.1931     Manfred Grüsser    7.6.2022

Wir trauern um unseren Manne, der mit 91 Jahren von uns gegangen ist!!

Er war über 59 Jahre Mitglied bei den Schachfreunden Nord-Ost und damit (nur einen Monat nach Wilfried im März 1963 eingetreten) einer derjenigen, die am längsten bei uns Mitglied war.

Für mich bedeutete es persönlich viel seine Bekanntschaft machen zu dürfen.

Als ich 1981 bei Nord-Ost (damals noch Lok Oberspree) meine Vereinsschachlaufbahn begann war einer meiner ersten Partner Manfred Grüsser. Eine Schach- und persönliche Freundschaft entwickelte über die vielen Jahre.

Ich möchte nun der Trauer die sich nach Tod bei seinen Schachfreunden und mir breit machte, ein paar Zeilen der Erinnerung und des Gedenkens entgegensetzen.

Manfred (für alle nur Manne) war ein begeisterter Schachspieler. Der Donnerstag mit dem Clubabend war für andere Dinge TABU. Auch schon damals, als seine Interessen vielseitig und breit gefächert waren. Seine freundliche Persönlichkeit, Zuverlässigkeit und stete Einsatzbereit-schaft über viele Jahrzehnte machten ihn zu einem symphatischen und allerseits geschätzten Mitglied unseres Vereins. Von den vielen gemeinsamen Erlebnissen, wird jeder seine speziellen haben und sich immer gerne daran erinnern.

Im Gedächtnis unseres Vereins nimmt er einen besonderen Ehrenplatz ein!!!

Das er nicht der große Schachmeister war und auch nicht mehr werden würde, war ihm wohl schon vor 40 Jahren bewusst. Für ihn war Schach Spiel, Unterhaltung und Freude, sowie unerschöpflicher Lieferant für sein Statistikfaible. Auch die Analyse seiner beendeten Partie war ihm wichtig und nicht nur mir zeigte er im Nachhinein, wo er oder der Gegner, den richtigen Weg verpasst hätten. Oft hörte ich von ihm: „Ja, hätte ich hier im 12.Zug statt Läufer den Springer gezogen…. da hättest Du wohl nicht gewonnen!“

Seine Erfolge möchte ich in diesem Resümee nicht unterschlagen. Neben vielen 2. und 3. Plätzen, sowohl in der Vereinsmeisterschaft Gr. 2 und 3, als auch in der Seniorenmeisterschaft Gr. 2, siegte er in der Vereinsmeisterschaft 1967 in Gruppe 2.

Das vom ihm über Jahre geleitete Sommerturnier konnte er 2008 gewinnen, was ihn sehr stolz machte. Als die Senioren 2000 mal zeigen wollten, dass sie nicht nur geistig fit sind, ging es zum Bowlen nach Zepernick. Wer wurde überlegener Sieger? Genau, Manne!!! Seine Ausbeute in der BMM ist ebenfalls beachtlich, aus 165 Partien seit 1992/93 erzielte er 76 Punkte in der 2. bis 4. Stadtklasse für seine Nord-Ostler. In einer Saison führte er die 3. Mannschaft als Kapitän mit seinem riesigen Erfahrungsschatz zum Klassenerhalt. Funktionär war aber nicht seine Bestimmung. Da nahm er mit großer Freude viel lieber am Seniorenturnier auf dem Bauernhof oder später in der Waldschänke teil.

    

Schach auf dem Bauernhof Birkholz

2010 gab es dann für ihn eine sehr starke gesundheitliche Zensur. Mit der besten Gesundheit war er leider nicht bedacht. Damals sorgten wir uns sehr und den schachspielenden Manne konnten sich viele nicht mehr vorstellen. Es geschah dann das, was nicht nur für mich das Wort Wunder, in Mannes Genesung Gestalt annahm. Auf alle Fälle heißt  das Wunder mit Vornamen Anette und ist seine Tochter.

½ Jahr später kehrte er nach seiner längsten Schachpause wieder ans Brett und auch ins normale Leben zurück. 12 weitere Jahre sollte sein 2. Leben dauern.

Eine sehr große Überraschung glückte uns 2015. Manne war zur Kur mit seiner Lebenspartnerin Gerda in Kolberg. In diese Zeit fiel  sein Geburtstag.

Vier seiner Schachfreunde waren bei einem Turnier in Reval. Spontan regte ich einen Geburtstagsbesuch bei Manne im 80km entfernten Kolberg an und schon machten wir uns mit unseren Frauen auf und Manne bekam große Augen und war erstmal sprachlos, was etwas bei ihm bedeutet.

 

Beim Waldschänkenpokal

Die Pandemie, mit Schließung des Spiellokals, war für ihn sehr ein-schneidend. Seine selbstständige Mobilität war ihm nicht mehr vergönnt und nun brach auch noch das wöchentliche Schach weg. Umso größer die Freude, als man ab April wieder ans Schachbrett durfte. Er stieg noch voller Optimismus in die laufende Seniorenmeisterschaft ein und konnte zwei Partien noch spielen. Dann hörte sein Schachherz auf zu schlagen.

Manne, Du bleibst unvergessen!!!

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, sowie seiner Partnerin Gerda und deren Familie. 

Peter Andrasch,
Im Namen des Vorstandes Schachfreunde Nord-Ost Berlin
 

 

 

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